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Sa 10.Dezember 09:30-13:00
Arbeitseinsatz Bootshaus Worms

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Ende 2019 wurden wir zu einer Kirchboottour in Finnland im folgenden Sommer eingeladen. 2020 eroberte Corona die Welt und machte das Reisen unmöglich. Unsere Fahrtenleiterin Ingrid buchte alles um, zunächst für 2021 und dann noch einmal für 2022.

Und so machte sich in am Samstag dem 16. Juli 2022 eine Gruppe von 16 Ruderern aus 8 Vereinen (Kitzinger Ruderverein, Mainzer Rudergesellschaft, Neuruppiner Ruderclub, Ruderclub Aschaffenburg, Ruderclub Rastatt, Ruderverein Bodenwerder, Ruderverein Eltville, Wormser Ruderclub Blau Weiss) für 9 Tage auf den Weg.

(alle Fotos Holger Bastian und Mitruderer)

Nach einem Flug von Frankfurt nach Helsinki erwartet uns Kaarina vom gastgebenden Ruderverein. Wir werden sehr herzlich auf Deutsch begrüßt, gemeinsam reisen wir im Bus weiter und verbringen das erste Wochenende in der schönen Stadt Hämeenlinna. Hämeenlinna ist die Geburtsstadt des Komponisten Jean Sibelius, sieht schwedisch aus und hat eine sehr massive Backsteinburg, die lange als Gefängnis diente. Bei angenehmen 24°C schauen wir uns um. Am Abend treffen wir uns zu einem finnischen Abendessen im Ravintola (= Restaurant) „Pipparkakkutalo“. Zum ersten Mal sitzen wir alle beisammen, um uns kennenzulernen. Nach der Vorstellungsrunde ist klar, dass das mit dem Namen merken noch eine Weile dauern wird, wir aber eine nette Breitensportlergruppe sind.

Am Sonntagnachmittag bringt uns der Bus nach Päivölä, wo wir unser Quartier in einem Internat beziehen. Für 16 Personen haben wir 2 Holzhäuser mit je 4 Doppelzimmern. Die Fenster können nicht geöffnet werden, zur Lüftung gibt‘s nur DIN A4-große Klappen mit massiven Fliegengittern. Später lernen wir, warum.
Nach kurzer Einrichtung erwarten uns die Damen vom heimischen Gastgeberverein Iku-Turson Akat am Kirchboot mit Sekt und frischen Erdbeeren. „Iku-Turson Akat“ heißt so viel wie die „Weiber von Iku-Turso“ (Iku-Turso ist ein bösartiges Seemonster in der finnischen Mythologie). Wir unterhalten uns in gutem Deutsch, Englisch oder Zeichensprache sehr munter.

Das Kirchboot heißt „Sata Lauta“, das bedeutet 100 Bretter. Es hat 14 Ruderplätze und Platz für ein bis zwei Kielschweine. Einige der Damen sprechen sehr gut deutsch.

Danach lassen wir das Kirchboot erstmals zu Wasser und drehen mit finnischer Steuerfrau eine kleine Einführungsrunde. Abendessen gibt es auf dem Bauernhof nebenan bei Dori. Die Tische sind im Esszimmer und der guten Stube gedeckt. Es gibt eine exzellente Lachssuppe mit sehr viel Lachs und frischen lappländischen Kartoffeln und Salate. Dazu selbstgebrautes Malzbier. Es schmeckt uns allen sehr gut.

Anschließend rudern wir noch eine große Runde bei recht hohen Wellen in den Sonnenuntergang. Danach holen wir das Boot aus dem Wasser, decken es über Nacht ab und gehen die 2 km zum Internat zurück. Das beschauliche Beisammensitzen vor unseren Bungalows wird in der Dämmerung gegen 22 Uhr empfindlich durch die finnischen Mücken trotz Autan und langer Hosen gestört.

 

Der Montag beschert uns graue Wolken, Sonne und 13-18°C. Mit Steuerfrau Margitta überqueren wir den Rauttunselkä nach Rapola zur Steinkirche, die aus großen eiszeitlichen Findlingen gebaut ist. Die Damen von Iku-Turson Akat begleiten uns und erklären uns die finnische Kultur und Geschichte.

Nach der Rückkehr am Nachmittag rudern zu einer Landspitze auf der oben Café und Museum in Visavuori thronen. Hier lebte und wirkte der finnische Künstler Emil Wikström (1864-1942), der zu seiner Zeit große Bedeutung in Finnland erlangte. Seine großen Skulpturen „die Laternenträger“ zieren heute noch den Hauptbahnhof in Helsinki. 

Am Dienstag ist Kulturtag. Wir fahren mit dem Bus nach Tampere, in die drittgrößte Stadt Finnlands. Zu Fuß machen wir uns in Kleingruppen auf, die schöne Stadt zu erkunden. Die Stadt erlebte im 19ten Jahrhundert ihren Aufstieg durch die Tuchfabrik Finleyson, deren weitläufige Backsteingebäude noch immer das Stadtbild prägen.

Die Industrialisierung wurde begünstigt durch den Tammerkoski Fluß, der mit einem Gefälle von 18,2 m durch Tampere tost und 3 Wasserkraftwerke antreibt. Neben vielen Kirchen gibt es hier noch viele Jugendstilhäuser. Von der Palatsinraitti-Brücke kann man auf die Stromschnellen schauen. Sehr beeindruckend. Von der Satakunnansilta-Brücke sieht man die zum Kraftwerk umgeleiteten Wassermassen. 

Am Mittwoch starten wir mit Steuerfrau Tiina in Richtung Hattula, später wird es richtig heiß, 25°C, Hitzewelle in Finnland! Wir rudern bei starkem Nordwestwind und hohen Wellen etwa 32 km weit über Rauttunselkä- und Vanajavesi See. Nach einer Mittagspause am Anleger von Lepaa rudern wir durch idyllische Kanäle, überall kleine Stege und auf den meisten stehen Saunahäuschen. In Hattula ziehen wird das Boot für den Rücktransport direkt aus dem Wasser auf den Anhänger.

Wir besichtigen die berühmte Steinkirche mit Wand- und Deckenmalereien aus dem 16ten Jh. und bevor wir mit dem Bus nach Päivölä zurückfahren. Dort nehmen wir diesmal den Grillplatz ein und genießen das selbstorganisierte Grillen. Wir sitzen lange bis uns die Mücken bei Dämmerung wieder vertreiben. 

Donnerstag ist wieder Hitzewelle angesagt bis 28°C. Wir fahren mit dem Bus nach Iittala, dem finnischen Zentrum der Glasherstellung. Wir besuchen das Designmuseum mit Führung auf Deutsch und lernen, wie sich die Glasherstellung in den letzten zwei Jahrhunderte entwickelt hat, von Bleikristall bis hin zum Pressglas für „arme Leute“. Anschließend beobachten wir in der Fabrik die manuelle Herstellung von Trinkgläsern.

Am späteren Nachmittag rudern wir mit dem Kirchboot zur Insel Tuomonsaaret. Sie ist in Privatbesitz von Dori und ihrem Mann. Sie haben dort ein Sommerhaus mit Sauna. Unsere Gastgeberinnen haben uns hier ein beeindruckendes 50er-Jahre-Buffet mit live Crepebacken vorbereitet.

Nach Saunagang und Schwimmen im frischen Seewasser genießen wir das gemeinsame Plaudern und die Zeit auf der Insel. Hier vertreiben uns keine Mücken, es gibt dort einfach keine! Gegen 21:30 Uhr brechen wir aber dennoch auf, drehen aber noch eine große Runde Runde auf dem Rauttunselkä und Makkaranselkä See bevor wir zur Anlegestelle zurückkehren.

Freitag ist der letzte Rudertag und mit 30°C wirklich heiß. Steuerfrau Eija steuert uns nach Valkeakoski. Wir durchqueren zunächst den Vanajanselkä und Rauttunselkä, in dem es viele kleine Inseln gibt. Vor Valkeakoski müssen wir ca. 6m Höhenunterschied mit der Schleuse überwinden. Am Steg werden wir von einer Journalistin und einer Fotografin empfangen. Unser Aufenthalt in Finnland und in Valeakoski ist der örtlichen Tageszeitung einen zweiseitigen Artikel wert.

In Begleitung von Tiina und ihrem Mann besichtigen wir den Ort und probieren lokale Köstlichkeiten, Salmiakeis und Kaffee & Kuchen am Wasser. In der Nähe des Bootes gibt es am Wasser einen Waschplatz für Teppiche. Die einheimischen  Frauen stehen hier in Tonnen am Wasser und schrubben mit Bürsten ihre Webteppiche. Am Ufer steht eine Teppichmangel. Das lassen wir uns direkt mal zeigen, Sonja und Ruth probieren es sogar selbst aus, steigen in die Tonnen und schrubben.

Auf dem Rückweg müssen wir wieder zahlreiche Trinkpausen einlegen. Wir alle kleben von Sonnencreme, Autan und Schweiß, nach der erlösenden Dusche, gibt es in der Mensa ein letztes Abendessen von Päivölä. 

Am Samstag kehren wir mit dem Bus nach Helsinki zurück, um vor unserem Rückflug auch noch Helsinki kennen zu lernen. Am Nachmittag erkunden wir die Stadt schon mal individuell. Helsinki bietet viele Museen, Schiffstouren vor der Altstadt um die zahlreichen Inseln, Felsenkirche und den Jugendstilbahnhof mit dem bereits erwähnten „die Laternenträger“ von Emil Wikström. Die Laternenträger tragen übrigens an diesem Tag Fußballtrikots. Die Geschäftsstraßen sind von gigantischen Ladenpassagen, allen voran Stockmanns geprägt. Zum letzten gemeinsamen Abendessen in Finnland gibt es im „Kolme Kruunua“, sautiertes Rentierfleisch oder heimischen Lachs. 

Am Sonntag heißt es Abschied nehmen von Finnland. Unsere Fahrtenleiterin, die mit ihrem Mann noch eine weitere Woche Urlaub anhängt, lassen wir zurück. Wir besuchen nochmals die Innenstadt, den Botanischen Garten, die alte Universitätsbibliothek, den Dom und die Uspenski-Kathedrale bevor wir am Nachmittag mit der S-Bahn zum "Flugplatsen" fahren. Um 18 Uhr starten wir nach Frankfurt. 

Das war eine unglaublich erlebnisreiche Woche! Unser übergroßer Dank gilt der Fahrtenleiterin Ingrid, die so lange durchgehalten hat und uns dies jetzt ermöglicht hat. Auch den finnischen Ruderkameradinnen von Iku-Turson Akat danken wir für die gemeinsam verbrachte schöne Zeit und ihre umwerfende Gastfreundschaft!! 

Wir haben Kontakte ausgetauscht und unsere Finninnen zu einer gemeinsamen Ruderwanderfahrt 2024 eingeladen. Und vielleicht geht‘s dann ja 2024 gemeinsam im Kirchboot den Rhein hinunter. Die Fortsetzung ist also geplant ….