Termine

Fr 15.März 19:00-
Mitgliederversammlung
Sa 23.März 00:00
Stadtachter Mannheim
So 24.März 00:00
Anrudern 2024 von Speyer/Germersheim nach Worms

Vereinskleidung

Partnervereine

Ich habe alles versucht: AC/DC (Hard as a Rock), The Police (King of Pain), Podcast (zu laaaangsam), Kilometer absteigend, just row, Pyramide, Salamitaktik… Es ist und bleibt eine elende Plackerei. Was habe ich mir da bloß angetan?

Angefangen hat alles mit der unbedachten Frage: Ergo Challenge? Was ist das denn?

Eine virtuelle Teamchallenge, wurde mir erklärt, veranstaltet vom Hersteller Concept2, unter anderem jedes Jahr im Januar. Es gibt unterschiedliche Teamtypen (Nur-Ruderer, Crossfitter, Militär, Medizinisches Personal…) und Gruppengrößen, beispielsweise 2-5 Mitglieder und 6-20 Mitglieder. Es gebe schon eine Gruppe namens WRC Ergo Freaks, die vor zwei Jahren gegründet wurde. Ja, man könne da mitmachen. Und nein, ich bräuchte mir keine Gedanken zu machen nicht genügend Kilometer schrubben zu können, jeder Kilometer zähle.

Neben dem Teamkapitän Jürgen Stephan sind Michael Schambach, Peter Maurer und Steffen Burkhardt Mitglieder der ersten Stunde. In diesem Jahr kommen noch Rolf Manges aus Mannheim dazu, Frank Ritter in den USA – und ich.

In den ersten Januartagen wähne ich mich noch in trügerischer Sicherheit. Man freut sich riesig über die erste Einheit von 10.000m, eingetragen von Frank im fernen North Carolina, und fährt sich ein. Am 7. Januar dann doch zum ersten Mal die perspektivische Frage, wo wir denn am Ende landen wollen – TOP 20 oder TOP 30? Nur keinen Druck aufbauen, ist die Antwort, Ziel sei es lediglich die Ergos brummen zu lassen. (Wer’s glaubt…)

Kurz darauf werden dann auch die „Hungry Fat Bastard Hippos“ aus Virginia als Gegner ins Visier genommen, den es zu schlagen gilt und Michael fährt unfassbare 27 Kilometer in einer Einheit. (Zitat: „Wenn man schon auf den Sohn warten muss, kann man die Zeit ja auch sinnvoll verbringen.“) Von da an werden die 20km-Einheiten gefühlt Standard bei den Männern. Alles darunter fällt in die Kategorie „Aufwärmen“ oder „aktive Regeneration“. Rolf veranstaltet bei Minusgraden ausgiebige Outdoor-Ergo-Fahrten in Mannheim vor der Bootshalle, bei mir hingegen lautet die Devise eher: Überleben und nicht zu arg den Schnitt versauen! Die Hippos sind bald Geschichte und stattdessen wird die Truppe von der „Ratteninsel“ (Rat Island Rowing and Sculling Club) aufs Korn genommen. Wie die „Hippos“ haben auch die „Ratten“ doppelt so viele Mitglieder wie wir (Anscheinend bin ich in einem kleinen gallischen Dorf unbeugsamer Ergo-Guerillas gelandet, die erbittert Widerstand leisten.) Das Ganze entwickelt eine gewisse Eigendynamik und abends schauen alle gebannt aufs Handy, ob uns Frank, der in den USA mit Zeitverzögerung fährt, den „Ratten“ noch ein Stück näher bringt. Leider haben auch die den Zeitvorteil und machen den mühsam erkämpften Vorsprung quasi über Nacht zunichte. Da ist dann die Versuchung groß „im Schlafanzug“ noch einmal in den Keller zu steigen…

Zur Halbzeit treten die ersten Ermüdungserscheinungen auf. Der Hintern schmerzt, die Arme werden länger, es ziept im Rücken. Demensprechend erhöht sich die Frequenz der Motivations-Beiträge im Chat. Allen voraus Frank, der zwar nach einer Erkältung gesundheitlich angeschlagen und mit Post-Feiertage-Hängebauch in die Challenge gestartet ist, sich aber schnell an die Spitze der Gruppe gesetzt hat. Derart motiviert schickt er auch gleich eine aufmunternde Mail an die Kapitänin der „Ratten“ (79 Jahre alt und 340km!!!! am Tag 27), die eine nette Antwort schreiben und gleich noch eine Schippe drauflegen.

4 Tage vor Ende der Challenge wird es im Chat philosophisch. „Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt“, lautet die Devise. „Die Ratten“, der “Deep Cove Rowing Club” (seit Tag 26 neu auf der Abschussliste) und die „WRC Ergo Freaks“ liefern sich ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Letztendlich kann das WRC-Team doch noch den Vorsprung halten und beendet die Challenge mit dem 13. Platz von 60 Teams in der Kategorie On-Water innerhalb der Gruppen mit 6-20 Mitgliedern (Platz 3 über den Durchschnitt von 297km gerechnet). Beim Abschlussabendessen im Al Fiume nach einer letzten gemeinsamen Kraftanstrengung im Verein sind alle glücklich, dass die Quälerei erst einmal vorbei ist. Im nächsten Jahr wieder? Ja schon, aber zuerst wird gerudert, so richtig, auf dem Wasser. Obwohl… im März, da gibt es noch eine Challenge. Da könnte man ja mal unverbindlich drüber nachdenken. So ganz ohne Druck. Es geht auch wirklich nicht um die gefahrenen Kilometer, sondern nur um den Ergometer, der unter den Teilnehmern verlost wird.